Der Ansatz Community Communication des MBT – kurz erklärt

Der Ansatz Community Communication des MBT – kurz erklärt

Im lokalen Raum können sich Konflikte an unterschiedlichen Entwicklungen entzünden – beispielsweise an der Errichtung von Unterkünften für geflüchtete oder obdachlose Menschen oder an konkurrierenden Nutzungsansprüchen an öffentliche Plätze. Diese Konflikte können von ausgrenzenden und diskriminierenden Äußerungen, Verhaltensweisen und Einstellungen geprägt sein oder demokratiegefährdende Komponenten haben, wenn sie zur Abwertung oder gar zum Ausschluss bestimmter Gruppen führen und diesen Teilhabe verwehrt wird. Unter der Überschrift „Community Communication“ hat das MBT Berlin einen konzeptionellen Ansatz entwickelt und erprobt, der Kommunikationsräume zur Bearbeitung dieser Konflikte eröffnen und gestalten will.

Warum braucht es den Ansatz?

In einer vielfältigen, teilhabeorientierten Gesellschaft werden Konflikte nicht weniger, sondern eher mehr. Hierdurch eröffnet sich jedoch die Chance, Konflikte nicht als Störung, sondern als gesellschaftliche Lernfelder zu betrachten.

In lokalen Konflikten, wo Fragen von Teilhabe oder Diskriminierung eine Rolle spielen, muss die Konfliktbearbeitung besondere Spezifika berücksichtigen: Die Konflikte sind nur bedingt „lösbar“, da Teilhabe als zentraler Wert von Demokratie und menschenfeindliche Haltungen nicht verhandelbar sind. Der Ansatz Community Communication geht von der Annahme aus, dass ein demokratisches Gemeinwesen von Begegnung, Dialog und Diskussion lebt. Konflikte sollten also diskursiv bearbeitet werden. Ziel ist die gemeinsame Gestaltung eines demokratischen Gemeinwesens in Vielfalt, das Begegnung, Austausch und ein multiperspektivisches Miteinander ermöglicht, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Prinzipien der Konfliktbearbeitung beim Ansatz Community Communication 

  • Allparteilichkeit: Allparteilichkeit bedeutet, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Perspektiven aller Beteiligten ernst zu nehmen und sie zu ermutigen, ihre Sichtweisen, Interessen und Gefühle frei zu äußern. Dies bedeutet nicht, dass jegliches Verhalten „gleichermaßen in Ordnung“ ist. Übergriffiges oder diskriminierendes Verhalten kann klar benannt werden. Ziel ist es mehr Verständnis herzustellen – immer auf Basis einer menschenrechtsorientierten und diskriminierungssensiblen Grundhaltung.
  • Diversitätssensibilität und Machtreflexivität: Nicht alle Akteur:innen haben automatisch die gleichen Ressourcen oder Ränge (Unter Rang wird dabei die unterschiedliche Verfügbarkeit von Macht, Privilegien und Einflussmöglichkeiten verstanden, die sich etwa aus formalen Positionen, sozialen Strukturen, persönlichen Eigenschaften oder Diversitätsdimensionen ergibt). Daher sollte in jedem Prozessschritt der Konfliktbearbeitung beachtet werden:
    • Wessen Perspektive ist relevant für die Konfliktbearbeitung? Wie wird der Konflikt aus den unterschiedlichen Perspektiven definiert?
    • Was brauchen unterschiedliche Personen(gruppen), um sich an der Konfliktbearbeitung zu beteiligen und dabei gesehen, gehört und (möglichst) sicher zu fühlen?

Wie funktioniert das genau?

Community Communication unterstützt Dialogprozesse durch Pluralisierung, das Herstellen von Transparenz, Partizipation und Versachlichung. Kontroverse Positionen und Konflikte können so produktiv bearbeitet und zur Chance für ein demokratisches Miteinander werden. Was heißt das genau:

  • Pluralisierung (vs. Polarisierung): unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen lassen und aufzeigen.
  • Transparenz (vs. Tabuisierung): größtmögliche Transparenz herstellen, um Fake News und antidemokratischen Narrativen den Wind aus den Segeln zu nehmen.
  • Partizipation (vs. Scheinpartizipation): Insbesondere in der Konfliktbearbeitung ist eine transparente Kommunikation darüber, wer welche Rolle einnimmt, wofür Zuständigkeiten bestehen und welche Gestaltungsspielräume vorhanden sind, zentral, um tatsächliche Partizipation zu ermöglichen und Scheinpartizipation zu vermeiden.
  • „Übersetzen“ und Versachlichen:  Dies ist ein zentrales Werkzeug, um Eskalationen und Frontenverhärtungen zu vermeiden und Verständigungen zwischen Menschen zu ermöglichen. Das bedeutet
  1. das Gesagte ernst nehmen, das Bedürfnis dahinter würdigen und für den Dialog nutzbar machen.
  2. beim Thema bleiben und konkretisieren, Fakten benennen
  3. die Aussage aus der Emotion, aus dem Angriff oder aus der Pauschalisierung herausholen und in eine konstruktive, bearbeitbare Form übersetzen – beispielsweise ein konkretes Anliegen.
  4. Rückbindung an das Ziel der Veranstaltung.

Wir als MBT Berlin bieten Unterstützung bei der konstruktiven Bearbeitung von Konflikten im Gemeinwesen beispielweise durch die Entwicklung von Kommunikationsstrategien und die Konzeption von Veranstaltungen. Sprechen Sie uns gerne an.

Mehr zum Ansatz Community Communication erfahren Sie auch in unserer Broschüre.

Gemeinsam eine Gesellschaft der Vielen gestalten

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